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Lesung&Gesang

Bekannt geworden ist Gerd Demboski als Sprecher des Bündnisses Aktiver Fußball Fans (baff) und durch seine Arbeit für die Footbal against Rasism-Ausstellung „Tatort Stadion“, die mit ihrer erstmaligen Aufarbeitung von Rassismus und Diskriminierung im deutschen Fußball nicht nur viele Jugendliche erreichte.
Seit einer Ewigkeit berichtet Dembowski aus der Fanszene und mischte 2007 ehrenamtlich bei der ag “für Toleranz, gegen Diskriminierung”. Er ist europaweit als Fan-Experte in Sachen Diskriminierung, Gewalt, Repression und Kommerzialisierung gefragt. Ob er dabei eher Fan oder Anthropologe ist, weiß er selbst nicht so genau.
Diesmal ist Gerd Demboski auf Tour in Mannheim um aus seinem neusten Werk „Fußball vs. Countrymusik“ vorzulesen, welches zum Fußballbuch 2007 nominiert wurde.
Songzitate von Bekannten bis hin zu ihm bekannten Musikern cuttet er zur emotionalen Untermalung in seine Geschichten. Aus dem Zitat-Sampling von Country, Antifolk und anderem Lo-fi entsteht ein Buch-Soundtrack, den der vegan lebende Hobo Dembowski bei seinen Lesungen auch selbst singt.
Fußball und Contrymusik haben etwas miteinander zu tun, weil Dembowski mit beidem zu tun hat. Mit Fußball vs. Countrymusik hält er der Welt zwei seiner Leidenschaften entgegen. Dabei entstehen zeitlose Essays. Neben politischem Anspruch haben sie immer auch romanhafte Züge. Entwaffnende Kurzgeschichten, die mit sehr persönlichen Eingängen immer den Weg in ein „großes“ gesellschaftliches Thema weisen. – ein literarischer Drahtseilakt zwischen FiFa-Kongress und besetztem Haus.

Wir freuen uns, nach seiner Premiere in Mannheim mit dem Vortrag „Fußball und Homophobie“ vergangenes Jahr, Gerd Demboski am 16-04-2010 im Wild West, wieder in Mannheim begrüßen zu dürfen.

http://www.gerd-dembowski.de/wordpress/

Termine über Termine

In nächster Zeit stehen hier im Raum viele Termine an, hier ein kurzer Auszug der nochmal vollständig unter „Termine“ gelistet ist.
Am 13ten April findet in Heidelberg ein Vortrag zum Thema „Begriffe feministischer Gesellschaftskritik“ statt. Er wird von der AIHD organisiert und beginnt um 19.30 Uhr in der Neuen Universität.

Am 16ten April laden wir ins Cafe Wild West ein. Gerd Dembowski wird aus seinem Buch vorlesen und uns mit Musik beglücken. Das Ganze startet um 20 Uhr.

Am 30ten April gibt es einige Aktionen, auf die wir gerne hinweisen. In Heidelberg findet wie jedes Jahr das Straßenfest auf dem Uniplatz statt, welches von der AIHD organisiert wird und um 18 Uhr beginnt.
Am selben Tag wird die Gruppe sinistra eine Demo im Rahmen ihrer Kampagne gegen deutsche Arbeit in Frankfurt veranstalten. Für mehr Infos, checkt http://30avril.tk/.
Auch findet in Frankfurt zeitgleich eine Demo des sozialrevolutionären und antionalen Krisenbündis statt. Um 19 Uhr beginnt die Demo an der Galluswarte. Das Ums Ganze Bündnis mobilisiert mit eigenem Aufruf und Plakaten auf die Demo, den Aufruf kann mensch hier nachlesen.

Ein Tag später, am 1ten Mai, finden bundesweit Naziaufmärsche statt. Der zentrale Aufmarsch für Nazis aus dem Südwesten wird in Schweinfurt stattfinden, zu dem übrigens auch das AB Rhein Neckar mobilisiert. für mehr Infos, checkt http://schweinfurt.blogsport.de/. Ansonsten wird auch eine revolutionäre 1te Mai Demo in Karlsruhe stattfinden. Die OrganisatorInnen haben auch eine eigene Homepage, check http://1mai2010ka.blogsport.de/.

Auch am 8ten Mai versuchen Nazis eine Demo zu veranstalten, diesmal in Wiesbaden. Neben den bürgerlichen AkteurInnen mischt auch die Antifa Wiesbaden bei den Gegenvorbereitungen mit. Die Homepage für den 8ten Mai ist unter http://achtermaiwiesbaden.blogsport.de/ zu erreichen.
Zeitgleich findet in Karlsruhe eine Demo gegen Abschiebungen statt und fängt um 14 Uhr am Friedrichsplatz an. Hier mehr Infos.
Der Abend steht ganz im Zeichen der Befreiung, in Mannheim wird im Cafe Wild West ein kleiner Sektempfang stattfinden. Wer danach noch Feierbedürfnis hat, dem sei ein Event der besonderen Art empfohlen. Um ca 24 Uhr wird an der Neckarwiese mit Anlage bis in die Morgenstunden gefeiert, den Raumpionieren sei dank!
So weit so gut, wir hoffen wir sehen uns bei den verschiedenen Aktionen!

BoomBommWondaland reloaded

Zur Kritik der Bildungsproteste in ihrer derzeitigen Form [reloaded]

Wäre Begriffslosigkeit Indikator maroder Bildungssysteme, so wäre der Aufruf der Veranstalter_Innen der Demonstration am 4.12.09 im Rahmen der bundesweiten Bildungsproteste unfreiwillig bestes Argument für die radikale Neugestaltung sämtlicher Bildungsangebote.
Eben jene Begriffsleere äußert sich bereits im realitätsfremden Bildungsbegriff, den die Autor_Innen des Aufrufs als verloren gehendes Ideal zu bewahren wünschen.
„Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware.“ (http://www.bildungsstreik-mannheim.de/?page_id=2, 30.11.09)h
Die Veranstalter_Innen gehen in ihrem Aufruf von „westlichen“ Bildungssystemen – als Beispiele werden im Aufruf Mexiko, Griechenland, Frankreich… angeführt – aus, welche eben nicht dem theoretischen Bildungsideal humanistischer Aufklärer_Innen entsprechen, noch nie entsprachen, sondern in kapitalistisch formierten Gesellschaften nicht unabhängig von Verwertungslogik und dem damit verbundenen Arbeitszwang zu denken sind. Auch wird hier die ideologische Funktion dieses Bildungsbegriffes nicht erkannt. Aufklärung als Ideal, die angebliche Befreiung aus der Unmündigkeit wird Deckmantel eines einzigen Disziplinierungsprozesses. Statt Emanzipation erfolgt die Anpassung an die Anforderungen des Arbeitsmarktes. Auch handelt es sich bei der Transformation von Bildung hin zur Ware eben nicht um einen Vorgang der gerade erst begonnen hat, sondern um einen Prozess der schon geraume Zeit im Gange ist. Staatlich organisierte Bildung -in ihrer konkreten Ausformung als Schulen, Unis etc.- kann hier also nur als Prozess begriffen werden, der in verschiedenen Regionen der Erde unterschiedlich vonstatten geht und ging; dessen Logik aber die selbe ist, nämlich die Möglichkeit bereit zu stellen, sich als möglichst gut verwertbares Subjekt zu konstituieren. Grundlegenden Einfluss auf die Logik dieses Prozesses haben weder, wie so oft behauptet, Einzelpersonen wie Professor_Innen und Lehrende, noch irgendwelche in Machtpositionen wahrgenommene Personenzirkel. Zwar unterscheiden sich die konkreten (Bildungs-) Politiken der verschiedenen zuständigen Behörden, jedoch nur in der Struktur in welcher das Bildungsangebot bereitgestellt wird. Die in der Suche nach greifbar Schuldigen, in dem Wahn die kapitalistische Zustände personalisieren zu wollen, als verantwortlich Wahrgenommene handeln ihrerseits innerhalb der selben ökonomischen Zwangsverhältnisse, deren Abschaffung zu vollziehen die jetzige Protestbewegung weder in der Lage noch gewillt ist. Personelle Kritik ist dort angebracht, wo Entscheidungen aus dem persönlichen Handlungsspielraum der vermeintlichen Autoritäten getroffen werden, und damit, in Einzelfällen, vermeidbares Elend eben vorantreiben.Das zu begreifen hieße jedes rebellisch identitäres Gehabe als scheinrevolutionären Lifestyle zu entlarven und letztendlich zu verwerfen. Schlimmstenfalls münden dieser Lifestyle und die Suche nach dem rebellischen Erlebnis im Racket, in der Zerstörung – beispielsweise der einer Ausstellung, die das Leben jüdischer Industrieller vor 1933 dokumentierte, wie in Berlin während der letzten Bildungsproteste geschehen. Wahlweise werden auch Lehrbücher, Einrichtungsgegenstände oder Bildungsmöglichkeiten, wie Seminare oder Vorlesungen, als bösartig und der Zerstörung würdig wahrgenommen. Der 3te Weg jenseits (gerechtfertigtem) Reformismus und verkürzter Kritik wäre die Ermutigung des Individuums die Verhältnisse zu erkennen, sich zu assoziieren und ein vernuftorientiertes Programm zur besseren Gestaltung menschlichen Zusammenlebens zu entwickeln. Das hieße eben jene Aufklärung voranzutreiben, auf die auch das im Aufruf der Veranstalter_Innen verklärte humanistische Bildungsideal abzielt und deren Verwirklichung eben nur in gesellschaftlichen Verhältnissen fern von Lohnarbeit und Verwertungslogik möglich ist.
Konsequenterweise tauchen in den Forderungen jene Widersprüche auf, die eben jener bereits erwähnten Begriffslosigkeit und der daraus resultierenden teils fehlenden, teils zu kurz greifenden Analyse geschuldet sind.
So wird einerseits von den Autor_Innen der schwere Zugang aufgrund mangelnder Kapazitäten an den Hochschulen angeprangert, sowie rückzahlungsfreie finanzielle Grundsicherung für Studierende gefordert. Anderseits erkennen sie nicht, dass das Bachelorsystem darauf ausgerichtet war, viele der Mängel die nun von den Autor_innen angeprangert werden zu beseitigen, die jetzigen Missstände teilweise aus der schlechten Umsetzung resultieren. Weder Staat noch Wirtschaft haben ein Interesse an dem Fortbestehen der derzeitigen Situation wie auch an den zahlreichen Solidaritätsbekundungen für die Studierenden seitens der Politik deutlich wird. Vielmehr stellt sich die Frage ob die kritisierte Elitenbildung nicht schon ihren Ausdruck im alten Diplom/Magistersystem fand, im Bildungsstreik also nostalgisch ein vergangener Zustand herbeihalluziniert wird, der so niemals existierte.
Noch widersprüchlicher ist der Ruf nach Ausbildungsgarantie durch Wirtschaft und Staat, der immer auch Staat des Kapitals sein muss, während sie gleichzeitig aus den Bildungsinstitutionen vertrieben sollen und so versucht wird die unmögliche Trennung von Bildung und Ausbildung zu vollziehen.
Aus dem Unwillen einen an sich sinnvollen Gedanken zu Ende zu führen, nämlich der Forderung nach demokratischerer Beteiligung Lernender an Entscheidungen, resultiert die Hilflosigkeit gegenüber Stimmen, die genau dieses Mitbestimmungsprinzip ad absurdum führen indem sie Gremien und Entscheidungsfindungsprozesse als Plattform für reaktionäre und ressentimentbeladene Propaganda nutzen. Hierunter fallen nicht nur die an den Hochschulen zum Glück weitestgehenden politisch isolierten Neonazis und völkische Freaks, sondern auch gesellschaftlich anerkannte, aber (latent) homophobe beziehungsweise sexistische Männerbünde wie sie Korps, Turnerschaften und/oder Burschenschaften darstellen.
Bedauerlich ist dass eben jene Forderungen, die tatsächlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Lehrende und Lernende beitragen könnten – wie zum Beispiel die Aufstockung des Lehrpersonals – von mangelnder Analyse, widersprüchlichen Appellen an die Institutionen sowie der Weigerung sich auf längere Textarbeit einzulassen überschattet werden.
„Solange die Studierenden nicht beginnen, ihre eigene Aufhebung als Dressurobjekt zu betreiben, solange die Beschulten nicht die Beschulung und die Zurichtung für das Kapital verweigern und solange“ die zu sich verwertenden Subjekten degradierten Individuen (im Original: “die arbeitende Klasse“ ) „nicht die Quelle ihrer täglichen Schmach – die Lohnarbeit – erkennt und danach trachtet sie zusammen mit dem Kapitalverhältnis das sie reproduziert abzuschaffen, solange bleiben im Kampf für bessere Lern- und Lebensbedingungen nur reformistische Forderungen und das ermüdende Kleinstgefecht um jede freie Stunde, jeden Euro und jeden Cent.
Trotzdem. Um den gehässigen Takt des Arbeitskommandos temporär zu verlangsamen und auf diese Weise wenigstens den Insassen der Universitäten und Regelschulen einige kurze Verschnaufpausen zur Reflexion über die bedrückenden Lebensbedingungen zu erkämpfen, stimmen wir selbstverständlich der bescheidenen Parole zu:
Gegen Studiengebühren,
weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem,
weg mit dem G8- „Turboabitur“. “
(http://neocommunistinnen.blogsport.de/flyer/immer-wieder-bildungsprotest/
, 30.11.09)
Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.
ag_UFO, Teil der Fachschaft für politische Bildung im Juz Mannheim [http://agufo.blogsport.de/]
Zum weiterlesen:
„Immer wieder Bildungsprotest“ – neocommunistinnen
Protektion und Protest „Die „offene Universität“ als Wunschbild und Albtraum -Magnus Klaue
„Deutschland wichtigste Ressource – oder wie Kinder in einem menschenverachtendem System erzogen werden“ – ak hitzefrei bei jedem wetter/ redical m

Boom Boom Wondaland

Etwas verspätet, unser Partyflyer jetzt auch online.
Boom Boom

Wondaland

Zur Kritik der Bildungsproteste in ihrer derzeitigen Form

Wäre Begriffslosigkeit Indikator maroder Bildungssysteme, so wäre der Aufruf der Veranstalter_Innen der Demonstration am 4.12.09 im Rahmen der bundesweiten Bildungsproteste unfreiwillig bestes Argument für die radikale Neugestaltung sämtlicher Bildungsangebote.
Eben jene Begriffsleere äußert sich bereits im realitätsfremden Bildungsbegriff, den die Autor_Innen des Aufrufs als verloren gehendes Ideal zu bewahren wünschen.

„Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware.“ (http://www.bildungsstreik-mannheim.de/?page_id=2, 30.11.09)h

Die Veranstalter_Innen gehen in ihrem Aufruf von „westlichen“ Bildungssystemen – als Beispiele werden im Aufruf Mexiko, Griechenland, Frankreich… angeführt – aus, welche eben nicht dem theoretischen Bildungsideal humanistischer Aufklärer_Innen entsprechen, noch nie entsprachen, sondern in kapitalistisch formierten Gesellschaften nicht unabhängig von Verwertungslogik und dem damit verbundenen Arbeitszwang zu denken sind. Staatlich organisierte Bildung -in ihrer konkreten Ausformung als Schulen, Unis etc.- kann hier also nur als Prozess begriffen werden, der in verschiedenen Regionen der Erde unterschiedlich vonstatten geht und ging; dessen Logik aber die selbe ist, nämlich die Möglichkeit bereit zu stellen, sich als möglichst gut verwertbares Subjekt zu konstituieren. Grundlegenden Einfluss auf die Logik dieses Prozesses haben weder, wie so oft behauptet, Einzelpersonen wie Professor_Innen und Lehrende, noch irgendwelche in Machtpositionen wahrgenommene Personenzirkel. Zwar unterscheiden sich die konkreten (Bildungs-) Politiken der verschiedenen zuständigen Behörden, jedoch nur in der Struktur in welcher das Bildungsangebot bereitgestellt wird. Die in der Suche nach greifbar Schuldigen, in dem Wahn die kapitalistische Zustände personalisieren zu wollen, als verantwortlich Wahrgenommene handeln ihrerseits innerhalb der selben ökonomischen Zwangsverhältnisse, deren Abschaffung zu vollziehen die jetzige Protestbewegung weder in der Lage noch gewillt ist. Personelle Kritik ist dort angebracht, wo Entscheidungen aus dem persönlichen Handlungsspielraum der vermeintlichen Autoritäten getroffen werden, und damit, in Einzelfällen, vermeidbares Elend eben vorantreiben. Diese Kritik stellt die begrüßenswerteste Form einer reformistischen Politik dar, in dem sie die konkreten Lebensbedingungen innerhalb des Bestehenden minimal verbessern. Das zu begreifen hieße jedes rebellisch identitäres Gehabe als scheinrevolutionären Lifestyle zu entlarven und letztendlich zu verwerfen. Schlimmstenfalls münden dieser Lifestyle und die Suche nach dem rebellischen Erlebnis im Racket, in der Zerstörung – beispielsweise der einer Ausstellung, die das Leben jüdischer Industrieller vor 1933 dokumentierte, wie in Berlin während der letzten Bildungsproteste geschehen. Wahlweise werden auch Lehrbücher, Einrichtungsgegenstände oder Bildungsmöglichkeiten, wie Seminare oder Vorlesungen, als bösartig und der Zerstörung würdig wahrgenommen. Der 3te Weg jenseits (gerechtfertigtem) Reformismus und verkürzter Kritik wäre die Ermutigung des Individuums die Verhältnisse zu erkennen, sich zu assoziieren und ein vernuftorientiertes Programm zur besseren Gestaltung menschlichen Zusammenlebens zu entwickeln. Das hieße eben jene Aufklärung voranzutreiben, auf die auch das im Aufruf der Veranstalter_Innen verklärte humanistische Bildungsideal abzielt.

Konsequenterweise tauchen in den Forderungen jene Widersprüche auf, die eben jener bereits erwähnten Begriffslosigkeit und der daraus resultierenden teils fehlenden, teils zu kurz greifenden Analyse geschuldet sind.
So wird einerseits der von den Autor_Innen der schwere Zugang aufgrund mangelnder Kapazitäten an den Hochschulen angeprangert, sowie rückzahlungsfreie finanzielle Grundsicherung für Studierende gefordert. Andererseits reduzieren sie das Bachelor-/Master-System in seiner derzeitigen Form auf seine negativen Aspekte ohne zu hinterfragen ob dies nicht genau der -zwangsläufig falsche- Versuch ist die Aufnahmekapazitäten zu steigern und die Kosten für die Studierenden zu senken. Vielmehr stellt sich die Frage, ob in der Kritik an der verkürzten Studienzeit, die ohne jeden Verweis auf die zeitliche Situation Auszubildender auskommt, und in dem romantisierenden Wunsch nach „Langzeitstudententum“ dass für Menschen aus einkommensschwachen Familien kaum realisierbar ist nicht jene Elitenbildung Ausdruck findet, die zu kritisieren sich die Protestbewegung im wahrsten Sinne des Wortes auf die Fahnen schreibt. Die Auseinandersetzung mit der Frage ob ein besserer Versuch möglich wäre und wie dieser aussehen könnte, bleibt der bezeichnenderweise stichwortartige Aufruf dem/der Leser_In schuldig.

Noch widersprüchlicher ist der Ruf nach Ausbildungsgarantie durch Wirtschaft und Staat, der immer auch Staat des Kapitals sein muss, während sie gleichzeitig aus den Bildungsinstitutionen vertrieben sollen und so versucht wird die unmögliche Trennung von Bildung und Ausbildung zu vollziehen.

Aus dem Unwillen einen an sich sinnvollen Gedanken zu Ende zu führen, nämlich der Forderung nach demokratischerer Beteiligung Lernender an Entscheidungen, resultiert die Hilflosigkeit gegenüber Stimmen, die genau dieses Mitbestimmungsprinzip ad absurdum führen indem sie Gremien und Entscheidungsfindungsprozesse als Plattform für reaktionäre und ressentimentbeladene Propaganda nutzen. Hierunter fallen nicht nur die an den Hochschulen zum Glück weitestgehenden politisch isolierten Neonazis und völkische Freaks, sondern auch gesellschaftlich anerkannte, aber (latent) homophobe beziehungsweise sexistische Männerbünde wie sie Korps, Turnerschaften und/oder Burschenschaften darstellen.

Bedauerlich ist dass eben jene Forderungen, die tatsächlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Lehrende und Lernende beitragen könnten – wie zum Beispiel die Aufstockung des Lehrpersonals oder die Suche nach sinnvolleren Leistungsnachweisen jenseits der Dauerüberprüfung – von mangelnder Analyse, widersprüchlichen Appellen an die Institutionen sowie der Weigerung sich auf längere Textarbeit einzulassen überschattet werden.

„Solange die Studierenden nicht beginnen, ihre eigene Aufhebung als Dressurobjekt zu betreiben, solange die Beschulten nicht die Beschulung und die Zurichtung für das Kapital verweigern und solange“ die zu sich verwertenden Subjekten degradierten Individuen (im Original: “die arbeitende Klasse“ ) „nicht die Quelle ihrer täglichen Schmach – die Lohnarbeit – erkennt und danach trachtet sie zusammen mit dem Kapitalverhältnis das sie reproduziert abzuschaffen, solange bleiben im Kampf für bessere Lern- und Lebensbedingungen nur reformistische Forderungen und das ermüdende Kleinstgefecht um jede freie Stunde, jeden Euro und jeden Cent.
Trotzdem. Um den gehässigen Takt des Arbeitskommandos temporär zu verlangsamen und auf diese Weise wenigstens den Insassen der Universitäten und Regelschulen einige kurze Verschnaufpausen zur Reflexion über die bedrückenden Lebensbedingungen zu erkämpfen, stimmen wir selbstverständlich der bescheidenen Parole zu:
Gegen Studiengebühren,
weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem,
weg mit dem G8- „Turboabitur“. “
(http://neocommunistinnen.blogsport.de/flyer/immer-wieder-bildungsprotest/, 30.11.09)
Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.
ag_UFO, Teil der Fachschaft für politische Bildung im Juz Mannheim [www.agufo.blogsport.de]

Zum weiterlesen:
„Immer wieder Bildungsprotest“ - neocommunistinnen
Protektion und Protest „Die „offene Universität“ als Wunschbild und Albtraum -Magnus Klaue
„Deutschland wichtigste Ressource – oder wie Kinder in einem menschenverachtendem System erzogen werden“ - ak hitzefrei bei jedem wetter/ redical m

Anmerkung zum Flugblatt:
Der Text in der derzeitigen Form entspricht nicht mehr vollständig dem Gruppenkonsens und wird neu diskutiert. Eine überarbeitete Version folgt.

Antikapitalistische Demo in Mannheim

Flyer

Versammlungsgesetz zum Dritten

Kurz vor der Schlusskundgebung

Am Samstag den 7.3. fand in Mannheim eine weitere Demonstration gegen die geplante Verschärfung des Versammlungsgesetzes statt. Organisiert wurde die Demo auch diesmal von einem breiten Bündnis linker und linksradikaler Gruppen und Organisationen. Hiess es im Vorfeld noch, es würde auf eine Anmeldung verzichtet, wie es ähnlich in Freiburg im Dezember praktiziert wurde, beschloss das Bündnis dann aber wenige Tage vorher, sich doch mit dem Ordnungsamt der Stadt Mannheim in Verbindung zu setzen. So gab es am Samstag dann ganze VIER Anmelder_Innen. Dieses Handeln geschah mit der Intention von auswärts anreisende Demonstrant_Innen, die von dem Vorhaben unangemeldet zu laufen nichts wussten, nicht zu gefährden. Von den meisten Anwesenden wurde dies allerdings eher als ein Kuschen vor Stadt und schlechter Presse empfunden… Die Polizei hielt sich jedoch, anders als bei den früheren Protesten, an diesem Tag gänzlich zurück und war nur mit einzelnen Beamt_Innen am Bahnhof, sowie einigen vereinzelten Fahrzeugen und Motorrädern entlang der Strecke präsent. Selbst die andauernden „Meinungsbestärkungen“ seitens der Demonstrant_Innen in Form von Pyrotechnik aller Art, aber auch direkte Angriffe mit Böllern wurden erstaunlich gleichgültig hingenommen.
Auch bleibt fraglich in wieweit Bürger_Innen bzw. Passant_Innen es nachvollziehen können (müssen), wenn sie erst dazu aufgerufenwerden „das Glotzen sein“ zu lassen um sich in die Demo einzureihen,
die sich, zumindest in Teilen, den Schutz eines auch und gerade für die „Normalgesellschaft“ geltendes Grundrechts auf die Fahnen geschrieben hat, gleichzeitig aber Gefahr laufen von von der Demo ausgehender Pyrotechnik getroffen zu werden.

Der Aufzug startete mit etwas Verspätung -nach der Behebung einiger technischer Probleme- und zog dann ohne erwähnenswerte Zwischenfälle mit einer Kundgebung am Paradeplatz zum Neckartor, wo er nach weiteren Redebeiträgen aufgelöst wurde. Anschliessend formierten sich einige der Teilnehmer_Innen zu einer Spontandemonstration, welche einmal den Kurpfalzkreisel umrundete und dann Richtung Innenstadt zog, wo sie noch einige Zeit durch die Quadrate lief bevor sie sich in Bahnhofsnähe zerstreute. Redebeiträge kamen unter anderem von der Roten Hilfe Heidelberg, der Antifaschistischen Initiative Heidelberg und der Rebell-Jugend.

Alles in allem reichte die Demo weder qualitativ noch quantitativ an die Demonstrationen zum Jahresende 2008 heran. Schätzungen von 250-300 Teilnehmer_Innen sind sehr optimistisch und eher schwach für ein derart breites Spektrum, wie es das Bündnis aus über 20 Gruppen darstellte. Zwar waren auch einige Genoss_Innen von weiter her angereist, doch leider auch nur in geringer Zahl. Die gerufenen Parolen waren viel zu oft meilenweit vom eigentlichen Thema, nämlich dem immer weiter voranschreitenden Ausbau des Polizei- und Sicherheitsstaats, entfernt. Beispiele dafür wären „B-Benzin-Benzinkanister“ (in Anlehnung an „A-Anti-Antikapitalista“) und die Forderung Abschiebung zu stoppen („No Border, No Nation – Stop Deportation“) – an sich eine berechtigte Aussage. Nur leider fehlte an dieser Stelle jeglicher inhaltlicher Bezug. Dazu ein Redebeitrag, der schon in den ersten Sätzen das Grundgesetz der BRD als ein Produkt der Aufklärung verherrlicht, was teilweise auch vom sogenannten „revolutionären“ schwarzen Block völlig unreflektiert beklatscht wurde. Glücklicherweise war von diesem Redebeitrag auf dem Paradeplatz nicht besonders viel zu verstehen, da die Technik zwischendurch immer wieder Probleme bereitete. Leider galt das auch für andere, eher beklatschenswertere Reden.
Bleibt noch zu sagen, dass die Zeitungen, die vorher ein Schreckensszenario von „randalierenden Chaoten“ heraufbeschworen, sich im Nachhinein nicht bemüssigt fühlten, in irgendeiner Form über die Demonstration zu bereichten. Ebensowenig hielt es das Polizeipräsidium Mannheim für nötig die Demo in ihrem Pressebericht auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Die erzielte Auszenwirkung und die tatsächliche Artikulation von Inhalten dürfte damit wohl, in Kombination mit den thematisch nicht passenden Parolen und ähnlichem, gegen Null tendieren. Inwieweit die Spontandemonstration daran noch was ändern konnte, steht in den Sternen, haben sich doch spontane Aufzüge nach Beendigung einer Demonstration in Mannheim längst eine gewisse Tradition und überraschen wahrscheinlich längst nicht mehr so stark, wie sie es sollten.

Wir können also nur hoffen, dass kommende Demonstrationen personalmässig stärker und insgesamt schärfer und angriffslustiger auftreten.




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